
Grand Prix
Holy Heaviness
Regie: Farnoosh Abedi
Wie kann man von einem so schwer greifbaren Gefühl wie dem eines langsamen Abschieds von einem geliebten Menschen erzählen? Wie davon erzählen, dass der eigene Vater das Gesicht eines Toten trägt und gleichzeitig dabei zum Kind geworden ist? Und wie kann man von den vermeintlich unsichtbaren Lasten erzählen, die wir im Alltag mit uns herumtragen und dabei trotzdem einen Film machen, der voller Wärme und zutiefst lebensbejahend ist?
Man sagt die beste Grundlage für einen Kurzfilm ist nicht wie man vielleicht denken könnte eine Kurzgeschichte, sondern vielmehr ein Gedicht und dieser Film wirkt als sei er die Adaption zeitloser, melancholischer und sehr genau beobachteter poetischer Strophen. Und dabei tut er dies auf den ersten Blick auf eine fast schon morbide Art und Weise - schließlich sind die Figuren, denen wir in diesem Animationsfilm begegnen knochige Wesen mit harten Kanten und Falten im Gesicht - als wären ihre Körper eigentlich gar nicht im Stande sich zu umarmen oder sich einander sanft zu sein. Und dennoch fühlt sich dieser Film wie eine Umarmung an, denn ihm liegt ein zutiefst, zärtlicher Blick auf den inneren und äußeren Zerfall zugrunde. So sehen wir die Spuren des Todes nicht bloß im sterbenden Vater, sondern auch in den Gesichtern der vermeintlich vitalen, als würden diese mitsterben. Doch genauso lässt er uns das lebendige, das verspielte, das unbekümmerte im Gesicht des Sterbenden sehen. So vermischen sich in diesem Gedichtsfilm die Elemente zunehmend - dokumentarisches Archivmaterial blitzt auf als wären es Erinnerungen aus einer längst vergangen Zeit, doch auch ihre Spuren lässt der Film uns in den alltäglichsten Gesten, Berührungen Blicken wiederfinden.
Damit ist der Film eine Einladung an das Publikum auch für die unbeschreibbaren Lasten, die wir in unseren Liebesbeziehungen unterschiedlichster Art tragen, einen ebenso ehrlichen wie verspielten Blick zu werfen und eine eigene Sprache für sie zu finden.
Dass ein Film all dies in 10 Minuten anregen kann, ist ein kleines Wunder und ganz großes Kino.
Der Preis für den besten Kurzfilm geht an: Holy Heaviness.

Best Fiction
The Shell
Regie: Sema Güler
Ein Film, der ohne Dialoge auskommen möchte, muss seine Geschichte allein durch starke Bilder transportieren. Durch präzises Schauspiel und klare Tongestaltung.
Er muss darauf vertrauen können, dass seine Emotionen, Rhythmus und visuelle Symbolik das Publikum intuitiv führen und berühren.
Kabuk/The Shell von Sema Güler schafft das mühelos.
Der Film erzählt sensibel und zugleich visuell kraftvoll von einer jungen Malerin, die nach erlebter Gewalt in der Isolation ihrer Wohnung gefangen ist.
Ohne Dialoge, aber mit einer konzentrierten Bildsprache, langen Einstellungen und nicht zuletzt einer großartigen Hauptdarstellerin gelingt es, die seelischen Narben ebenso spürbar zu machen wie die langsame, schmerzhafte Rückkehr zum Leben. Jeder Blick, jede Geste wird zum Ausdruck des erlebten Traumas, jede Einstellung zum Spiegel einer inneren Entwicklung.
The Shell überzeugt durch seine emotionale Tiefe. Die Sprachlosigkeit der Protagonistin und ihr Versuch, mittels der Kunst wieder in Kontakt mit der Welt zu treten, sind zentrale Elemente, konzentriert und eindringlich macht der Film das Unsagbare sichtbar und universell verständlich.
Wir freuen uns, diesen wichtigen und besonderen Film als besten Spielfilm auszuzeichnen.

Best Animation
Balconada
Regie: Iva Tokmakchieva
Was verbindet uns Menschen?
Wie können wir in Kontakt treten, wo wir doch so unterschiedliche Leben führen. Das sind mitunter die Fragen, die bei diesem Festival verhandelt werden.
Dieser Film findet dafür ein sehr starkes Bild.
Ein innerstädtischer Wohnblock, und ein heißer Sommertag der die Bewohnerinnen auf ihre Balkons treibt.
Wir beobachten, wie jeder und jede für sich ihren alltäglichen Tätigkeiten nachgehen. Sie liegen in der Sonne, hängen die Wäsche, gießen Blumen. Eine restbetrunkene Flötenspielerin sucht zwischen den Weinflaschen noch einen Platz zum Liegen. Jeder und jede für sich alleine.
Und in diesem unscheinbaren Szenario entsteht plötzlich etwas Magisches.
Ein Regenschauer führt dazu, dass diese Menschen ihre Apathie durchbrechen, und so spielt die Flötistin auf einmal die schönsten Töne, eine andere tanzt dazu, Blütenblätter fliegen zusammen mit der Wäsche durch die Luft, und für einen kurzen Moment lassen die Charaktere sowie die Zuschauerinnen ihre Welten hinter sich und träumen zusammen, synchronisiert.
Mit ihrem kreativen Animationsstil und ihren liebevoll gestalteten Figuren schafft es Iva Tokmakchieva, die ursprüngliche Frage von „Was verbindet uns Menschen?“ zu „Was trennt uns Menschen eigentlich?“ umzuformulieren.
Die Salsa Jury ist stolz, den Preis für besten Animationsfilm an Balconada von Iva Tokmakchieva zu vergeben.
Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnerinnen.

Best Children's Film
This Side, Other Side
Regie: Lida Fazli
Looking back at our decision for “This Side, Other Side”, the memorable aspects from this film are the usage of children, simple toys, and sound to tell a brilliant message and an emotional story. The children were shown to be more reflective and mature than the soldiers, expressing that being forgiving and cooperative to let everyone be themselves again is how one stops conflict and improves a society. The chalks, typically a children's toy, were first used to play around but then to rebuild their home supports the usage of children as guidance for how to grow. Finally, the creator's ability to use the sound of the bombs and cries of joy and sadness to evoke emotions from the audience is a great way to tell an emotional and bittersweet story without dialogue.
With the events going on in the world, it's important that we stand together and rebuild what we have lost. In “This Side, Other Side”, the children's ability to look past the soldiers' feud and rebuild their home is a great reflection of what everyone needs to do in the real world.